Tannenspitzen als Sirup für Körper und Seele

 

Der Sirup aus Maifichtenspitzen ist ein fast vergessenes Geheimrezept für den Körper und die Seele. Bereits im Mittelalter schwor die Heilige Hildegard von Bingen auf die gesundheitsfördernde Wirkung der Tannenspitzen, gefolgt von Sebastian Kneipp im 19. Jahrhundert.

 

Vor allem verabreichte man den vitaminhaltigen Tannenspitzensirup Seemännern.

 

Das fast vergessene Rezept bringt das Unternehmen Sonnenkiefer nun zurück in Deutschlands Küchen. Angefangen hat alles für Andreas Kiefer und Jan Solle in Großmutters Küche und mit der Begeisterung vieler Freunde und Bekannter am außergewöhnlichen Geschmackserlebnis. Sie suchten und fanden eine Biofichtenplantage in Albsfelde

                                                                                                       bei Lübeck und gingen in Produktion.

 

Mittlerweile gibt es neben dem Tannenspitzensirup auch einen Kaffeeschaum und einen Likör, in denen Tannenspitzen verwendet werden.

 

Einmal im Jahr, Anfang Mai, beginnt die kontrollierte Ernte der hellgrünen Spitzen der Rotfichte. Diese werden sofort zu einem Sud eingekocht und zum Sirup verarbeitet. Dabei ist die Herstellung nach handwerklichen Traditionen besonders wichtig, damit so viel Vitamin C der Spitzen wie nur möglich im Sirup enthalten bleibt. Maschinelles Ernten, lange Transportwege der Grundzutaten, industrielles Abfüllen und Verpacken fallen weg. Das Unternehmen Sonnenkiefer arbeitet mit den Lebens- und Werksgemeinschaften Grebinsrade zusammen. Dort wird der Sirup von körperlich und geistig behinderten Menschen abgefüllt und etikettiert. Alle Grundzutaten sind Bio zertifiziert, sodass auch die Produkte von Sonnenkiefer ab Mai das Biosiegel tragen.

 

Das Einsatzgebiet des Tannenspitzensirups ist vielfältig. Dies zeigen die eigens hergestellten Rezeptkarten, die es zu jedem Sirupglas dazugibt. Es können so Rezepte für Brat-, Salat- und Pastasoßen, Kuchen, Pralinen und Sorbets ausprobiert werden.

 

Die Tannenspitzen enthalten medizinisch nachgewiesenes Vitamin C, pro-Vitamin A, Bornylacetat, Pinen, Limonen, Linalool, Cymol. Diese Stoffe wirken entzündungshemmend, schleimlösend, belebend und keimwidrig.

 

 

Die Fichte (Picea)

 

Die Fichte ist eine Pflanzengattung, die nur auf der Nordhalbkugel verbreitet ist. Von der Gattung ist in Mitteleuropa die Gemeine Fichte (picea abies)- auch Gewöhnliche Fichte, Rotfichte oder Rottanne genannt –die einzige heimische und natürlich vorkommende Art. Sie kann bis zu 600 Jahren alt und 60m hoch werden. Ihre Nadeln erneuern sich alle sechs Jahre und sie wachsen bis in Höhen von 2000 Metern.

 

Wegen ihres im Vergleich zu anderen Baumarten schnelleren Wachstums und der Möglichkeit, bereits in jüngeren Beständen Holz kostendeckend zu ernten, wurde die Fichte früher als „Brotbaum“ der Forstwirtschaft bezeichnet. Heute ist sie in Deutschland mit über 28 % Flächenanteil am Wald die häufigste Baumart.

 

Die Fichte wurde einst als Schutzbaum von unseren Vorfahren verehrt. Sie galt als Lebens- und Mutterbaum und sollte den Menschen Krankheiten abnehmen. Die Fichte oder Tanne war und ist seit Jahrtausenden das Symbol für das Leben im germanischen genauso wie im Christentum.

 

Inhaltsstoffe:

Ätherische Öle, Harz, Vitamin C (in jungen Trieben), Ameisensäure, Invertzucker (Gemisch aus gleichen Teilen Traubenzucker [Glucose] und Fruchtzucker [Fruktose], Saccharose, Picein (phenolische Verbindung), Glykoside (hochwirksame Stoffe, bei denen bestimmte Zuckerverbindungen gemeinsam sind), Gerbstoffe usw.

Medizinisch wirksame Pflanzenteile sind Knospen, Nadeln, junge Triebe, Splintholz, Rinde und Harz. Hauptbestandteil des Harzes ist Terpentin. Es enthält ca. 20 % ätherisches Öl und 70 % reines Harz.

 

Heilkundliche Geschichte und medizinisch Bedeutung:

Die Anwendung der Pflanze zu Heilzwecken ist so alt wie die Menschheit selbst und lässt sich in allen Kulturen nachweisen. Bäume wurden schon in frühester Zeit als Heilpflanze beschrieben: im alten Ägypten, in China und in Mexiko.

 

Fichtenmittel wirken wirkten antiseptisch, durchblutungsfördernd, entzündungshemmend, harn- und schweißtreibend sowie hustenstillend, schleimlösend und auch krampfmildernd. Diese Mittel können bei Bronchitis, Husten, Hals- und Lungenkrankheiten angewendet werden. Auch Rheuma, Arthrose, Hexenschuss, Gliederschmerzen, Blasenentzündung, Krampfadern und Hautkrankheiten speziell Frostbeulen können behandelt werden. Langsames Kauen kleiner Harzstücke soll das Zahnfleisch festigen und wird bei Zahnfleischbluten empfohlen.

 

Auch seit langem bekannt ist die heilende Wirkung gegen die Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut.

In der traditionellen Medizin wird die Pflanze für Heilzwecke verwendet unter anderem als Bestandteil von Rezepten bei Angina, bakterielle Scheidenentzündung, Eiterbeulen, Ganglion (Überbein), Gicht, Halsschmerzen, Hauterkrankungen, Magenkrämpfen, Rheuma.

Abkochungen von Fichtenzapfen sollten Warzen beseitigen und das Harz des Baumes bei Steinleiden, Hüftschmerzen und Wunden Linderung bringen.

In der Volksmedizin galt ein Tee aus den Fichtensprossen als probates Blutreinigungsmittel, das bei Gicht, Rheumatismus, Magenkrämpfen und

Hautleiden Anwendung fand.

 

Da nachgewiesen werden konnte, dass die ätherischen Öle der meinen Fichte eine auswurffördernde Wirkung haben, wird Fichtenöl in der modernen

Medizin eingesetzt. Als Bestandteil von Bronchialbalsam und Inhalationen dient es zur von Bronchitis und festsitzendem Husten.

Als Beigabe in Badezusätzen fördert es die Durchblutung und unterstützt die Behandlung von rheumatischen Erkrankungen und Erschöpfungszuständen.

Die Gemeine Fichte besitzt Antioxidationsmittel-Fähigkeiten sowie potenzielle Antitumoreigenschaften.

 

Nutzung als Speisepflanze:

Die hellgrünen, jungen und noch dichten Triebspitzen der picea abies schmecken sauer und herb zugleich und eignen sich als säuerliche Ergänzung zu

einem Karottengemüse ebenso wie für eine Frischkäsezubereitung oder als Beigabe zu Dessert.